Bohuslav Martinů

08/12/1890 Polička, 28/08/1959 Liestal  

Bohuslav Martinů, ein der bedeutendsten tschechischen Komponisten des 20. Jahrhunderts, begann mit sieben Jahren Geige zu lernen. 1906 wurde er Student am Prager Konservatorium, wurde jedoch wegen Fahrlässigkeit ausgeschlossen. Nach einem Selbstudium ist es ihm gelungen, im Dezember 1912 die Staatsprüfung zu bestehen. Seine Kantate Tschechische Rhapsodie hat er der neu gegründeten Tsechoslowakischen Republik gewidmet. Im Herbst 1920 wurde er Violinist der Tschechischen Philharmonie. Im Oktober 1922 in die Meisterklasse bei Josef Suk aufgenommen, ging er im selben Jahr wegen eines Studienaufenthaltes bei Albert Roussel nach Paris. Bald avanzierte er zu einem anerkannten Komponisten. Seine Werke haben die Tschechische Philharmonie (z. B. Die blaue Stunde, 2. Teil des Zyklus von symphonischen Dichtungen Schwindende Mitternacht; das Rondo für großes Orchester Half-time u. a.) und das Nationaltheater gespielt (Ballette Istar, Wer ist der Mächtigste auf der Welt?,Špalíček/Liederbündel, die Oper Juliette). Im Jahre 1935 hat er den Tschechoslowakischen Staatspreis für seine Oper Die Marienspiele erhalten. Im Jahre 1940 musste er mit seiner Frau aus dem von den Nationalsozialisten okkupierten Frankreich nach den USA fliehen, sie landeten in New Jersey. Martinů hat es in den USA geschafft, sich zu etablieren; im Januar 1942 war sein Werk Teil eines unter dem Titel „The Czechoslovak Immortals of Symphonic Music“ aufgeführten Programms des New York Philharmonic Orchestra. Er wurde Kompositionslehrer an der Princeton University. Mit seinem Werk Memorial to Lidice hat er auf die Ausrottung des Dorfes Lidice durch die Nazis reagiert. Obwohl er im Jahre 1952 die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten hat, kehrte er im Mai des darauffolgenden Jahres endgültig nach Europa zurück. Es enstanden weitere wichtige Werke: Die Freundschaft mit dem griechischen Komponisten Nikos Kazantzakis führte zu seiner Oper  Griechische Passion, die Wiener Philharmoniker unter Rafael Kubelík haben 1956 sein Orchesterwerk Die Fresken von Piero della Francesca in Salzburg uraufgeführt. Martinů hat sich in der Schweiz niedergelassen und lebte dort im Hause seines Freundes. Er starb im Jahr 1959 und wurde nach langen Verhandlungen 20 Jahre danach in das Familiengrab in Polička überführt. Das Schaffen des unermüdlichen Martinů umfasst fast an die 400 Werke: Lieder, instrumentale Kompositionen für verschiedene kammermusikalische und Orchesterbesetzungen, Ballette, Kantaten und Opern für Theater, Rundfunk und Fernsehen. In seinen Werken erinnerte er oft an seine Heimat, u. a. in Das Maifest der Brünnlein, Legende aus dem Rauch des Kartoffelkrauts, Löwenzahn-Romanze und Mikesch vom Berge.