Rudolf Karel

09/11/1880 Plzeň, 06/03/1945 Terezín  

Karel Rudolf, bedeutender tschechischer Komponist und Dirigent in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts, hat die musikalische Begabung von seiner Mutter, einer dilettirenden Pianistin, geerbt. Zwar studierte er auf Wunsch seines Vaters 1899–1903 an der Karlsuniversität in Prag Jus, doch trat er dann an das Prager Konservatorium über, an dem er die Meisterklasse von Antonín Dvořák absolvierte. Später hat er neben seiner kompositorischen Tätigkeit auch privat Musikunterricht erteilt. Seine Werke haben bald Aufmerksamkeit erweckt und zur seiner Zusammenarbeit mit dem Musikverlag Simrock geführt. Der Beginn des Ersten Weltkriegs hat ihn beim Urlaub in Russland erreicht, wo er als mutmaßlicher österreichischer Spion festgenommen wurde. Er floh zu seinen Landsleuten in Russland, bei denen er als Musiklehrer tätig war. 1918 schloss er sich den tschechoslowakischen Legionen an und wurde Dirigent von deren Orchester. Seine zu dieser Zeit komponierte symphonische Dichtung Dämon (1920) hat er Václav Talich gewidmet. 1920 kehrte Rudolf Karel in seine Heimat zurück. Siebzehn Jahre lang war er Professor für Komposition am Prager Konservatorium. Während der nationalsozialistischen Besatzung wurde er in der Widerstandbewegung aktiv und in der Folge im Gefängnis Prag-Pankrác inhaftiert. Ein der Wächter hat ihm Bleistift und Papier besorgt, damit Karel Gelegenheit hatte, zu komponieren. Der selbe Aufseher hat manchmal auf Toilettenpapier geschriebene Kompositionen aus dem Gefängnis geschmugelt. So ist die Skizze der Oper Die drei goldenen Haare von Großvater Allwissend erhalten geblieben, die der Schüler Karels, Zbyněk Vostřák, nach dem Krieg am Nationaltheater zur Uraufführung brachte. Im Februar 1945, kurz nachdem der Komponist nach Theresienstadt deportiert worden war, starb er dort an der Ruhr. Auch seine Opern Ilses Herz (1909) und Gevatterin Tod (1928–1932) wurden am Prager Nationaltheater aufgeführt.