Verlobung im Traum

Hans Krása

#Oper
#Koproduktion

Musikalische Leitung: Marek Šedivý
Inszenierung: Jiří Nekvasil
Orchester und Chor des Mährisch-Schlesischen Nationaltheaters

„Sein Schaffen geschieht ohne Arbeit, so zwischen Schach und Matt. Aber was entsteht, ist von nachtwandlerischer Sicherheit,“ hat im Jahre 1928 der Komponist Viktor Ullmann seinen Eindruck nach einer privaten Aufführung von Bruchstücken aus der Oper Verlobung im Traum von Hans Krása an seine Leser der Zeitung Bohemia vermittelt. Dem Komponisten, dessen Name man heute vor allem mit der Kinderoper Brundibár verbindet, ist es gelungen, in seiner Oper nach Dostojewskis Erzählung Onkelchens Traum über die schöne Sina, den unglückliche Fedja, den verräterischen Paul, einen seltsamen Fürsten und die berechnende Marja Alexandrowna die Musik vollkommen mit der dramatischen Handlung in Einklang zu bringen. Das Drama über Liebe, Hinterlist, Intrigen und menschlichen Neid, zuweilen unterstützt von wahrlich „nachtwandlerischer“, tonmalerischer Musik, kehrt auf die Bühne der Staatsoper zurück, auf der es 1933 uraufgeführt worden war.

Die Opera wird in deutscher Sprache mit tschechischen und englischen Untertiteln aufgeführt. Das Projekt wird vom Nationaltheater und das Mährisch-Schlesische Nationaltheater in Ostrava koproduziert. Der Kartenvorverkauf beginnt im Juni 2022.

Termine

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Do 17/02/2022
18.30
Divadlo Antonína Dvořáka v Ostravě
#Premiere
Sa 19/02/2022
18.30
Divadlo Antonína Dvořáka v Ostravě
#Premiere
So 20/11/2022
19.00
Staatsoper
vorherige Aufführung nächste Aufführung

Musik von Hans Krása (1899–1944)
Text von Rudolf Fuchs (1890–1942) & Rudolf Thomas
Nach der Erzählung Onkelchens Traum von Fiodor Dostojewski (1821–1881)
Tschechische Übersetzung Vlasta Reittererová

Die Arbeit an der Oper Verlobung im Traum nach der Erzählung Fiodor Dostojewskis Onkelchens Traum fällt in eine glückliche Lebensperiode von Hans Krása. Nach seinem Aufenthalt in Berlin war der fast dreißigjährige Komponist in sein gewohntes Leben in Prag zurückgekehrt und nahm nun alle intellektuellen Genüsse auf, die ihm die tschechische Hauptstadt bot. Sein Lieblingsort war das bekannte Café Arco in der Hyberner Straße, wo sich die tschechischen Künstler Emil Filla, Bohumil Kubišta oder Antonín Procházka mit einem deutschsprachigen Künstlerkreis, etwa Franz Werfel oder Egon Erwin Kisch, zusammenfanden. Häufige Gäste waren auch Franz Kafka und Milena Jesenská, mit denen Krása befreundet war; sein Name findet sich sogar in Kafkas Briefen an Milena.

Die Oper entstand zwischen den Jahren 1928 und 1930. Das Libretto stammt von Rudolf (Rudi) Thomas, dem Chefredakteur des Prager Tagblatts, und einem weiteren Rudolf, dem Dichter Rudolf Fuchs. Mit der Komposition hatte Krása wahrscheinlich unmittelbar nach den letzten Korrekturen des Textes, im Sommer 1928, begonnen. Er arbeitete sehr intensiv und konnte so einige Teile der Oper bereits im Herbst im privaten Rahmen vorstellen. Auch Viktor Ullmann war damals anwesend und hatte den Lesern des Tagblatts Bohemia seinen Eindruck vermittelt: „Er ist kein Professional. Sein Schaffen geschieht ohne Arbeit, so zwischen Schach und Matt. Aber was entsteht, ist von nachtwandlerischer Sicherheit. […] Krásas in Arbeit befindliche Oper nach Dostojewskijs Novelle Onkelchens Traum verspricht Musik substanzieller Art, sofern man nicht von der Gazelle die Kraftproben des Elefanten verlangt. Von besonderem Reiz sind unter den mir bekannt gewordenen Stücken das zwanglos und sicher geformte Quintett des ersten Aktes mit seiner feinen Melodik und die glückliche Idee des Ensemblesatzes über die Arie ‚Casta diva‘ aus Bellinis Norma.“ Im September 1930 hatte dann auch die Zeitschrift Der Auftakt über die Vollendung der Oper berichtet, noch unter ihrem ursprünglichen Titel Fedja.

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Die Handlung spielt um das Jahr 1850 in der Stadt Mordassow. Der dortige Archivar erinnert sich an den Besuch eines Schriftstellers namens Fiodor Dostojewski, der sich eine alte Geschichte hatte erzählen lassen – über die schöne Sina, den unglücklichen Fedja, den verräterischen Paul, über einen merkwürdigen Fürsten und über die Mutter von Sina, Marja Alexandrowna, die das Leben ihrer Tochter mit ihren Intrigen beeinflussen will. Doch ein Archivar soll die Geschichten nur sammeln, nicht beurteilen. Und so erzählt er bloß; das Urteil überlässt er seinen Zuhörern.

Mit Blick auf die Musik lassen sich vor allem die tonmalenden Abschnitte anführen, aus denen die weit entspannten Melodien hervortreten, effektvolle, dynamische Ensembleszenen und das bereits erwähnte Zitat von Bellinis Casta Diva, vor allem jedoch die vollkommene Übereinstimmung der Musik mit dem Drama. Die Oper endet schlicht, mit einer an ein russisches Lied erinnernden Melodie, mit einem Ausdruck tiefer Menschlichkeit und Hoffnung. Einen trefflichen Kommentar zu seiner Oper hat der Komponist selbst geschrieben; seine Worte waren im Programmheft der Vorstellung abgedruckt: „Wenn ich sage, dass ich von Schönberg komme, so möchte ich damit betonen, dass ich versuche, in meinen Kompositionen den leider so beliebten Leerlauf zu vermeiden[,] und unter der Verantwortung schreibe, dass jeder Takt, jedes Rezitativ, ja jede Note zwingend mit dem Ganzen verbunden sein müssen.“

Die Verhandlungen mit den Theatern waren lang und kompliziert. Interesse hatte Erich Kleiber, Generalmusikdirektor der Staatsoper in Berlin, gezeigt, auch der Opernchef in Dresden, Fritz Busch. Es gab zudem Verhandlungen mit der Oper Wien (heute Wiener Staatsoper). Schließlich wurde das Werk im Jahre 1932 vom neuen Direktor des Neuen deutschen Theaters in Prag, Paul Eger, angenommen. Die Uraufführung sollte im März 1933 stattfinden, musste jedoch wegen der Erkrankung einer der Hauptdarstellerinnen, der Altistin Lydia Kindermann, die die Rolle der Nastasja singen sollte, verschoben werden. Schließlich fand sie am 18. Mai 1933 im Rahmen der Prager Maifestspiele unter dem Dirigenten Georg Széll und in der Regie von Renato Mordo statt. Die Reprise am 9. Juni 1933 wurde vom Tschechoslowakischen Rundfunk übertragen.

Die Oper wurde vom Publikum und dem Großteil der Kritik äußerst positiv aufgenommen und wurde mit dem Tschechoslowakischen Staatspreis ausgezeichnet. Die tschechische Zeitung Národní osvobození schrieb etwa: „Den dankbaren dramatischen Stoff hat H. Krása mit überraschender Reife und Eindringlichkeit vertont. Seine Gedanken haben einen starken unverwechselbaren Ausdruck, sie charakterisieren prägnant die einzelnen Charaktere und entsprechen der Handlung. Die Jugend des Komponisten entfaltet sich hier vor allem in harmonischen Kleinigkeiten, rhythmischem und klanglichem Elan und kompromissloser Wahl der Mittel; seiner Arbeit sind innere Ehrlichkeit und unmittelbare Wirksamkeit nicht abzusprechen.“; auch Kritiker wie Hans Heinz Stuckenschidt oder Max Brod zeigten sich überaus angetan. Einzig der tschechische Kritiker Mirko Očadlík lehnte das Werk ab. Krása befinde sich „mit seiner ganzen Oper auf einem Irrweg“ und „seine größte Schuld“ bestehe darin, „dass er mit seinen Mitarbeitern das ausgezeichnete Sujet Dostojewskis auf unmögliche Art zusammengeflickt“ habe.

Nach dem 2. Weltkrieg hielt man das Aufführungsmaterial der Oper für verloren, bis der israelische Dirigent Israel Yinon im Archiv des Wiener Universal-Edition zwei handschriftliche Bände mit dem Vermerk „Eigentum des Deutschen Theatervereins in Prag” fand. In diesen entdeckte er auch die Partitur von Verlobung im Traum mit den Notizen von Georg Széll. Am 27. März 1994 fand dann in Zusammenarbeit mit dem Nationaltheater Mannheim an der Staatsoper (damals Staatsoper Prag) in der Regie von Karel Drgáč die erste Wiederaufführung statt.

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Musikalische Leitung: Marek Šedivý / Adam Sedlický
Inszenierung: Jiří Nekvasil
Bühnenbild: Daniel Dvořák
Kostüme: Marta Roszkopfová
Choreografie: Jana Tomsová / Yago Catalinas Heredia
Chorleiter: Jurij Galatenko
Dramaturgie: Juraj Bajús

Marja Alexandrowna: Lucie Hilscherová / Marta Infante
Sina, ihre Tochter: Miroslava Časarová / Veronika Rovná
Nastassja, Schwängerin Marja Alexandrownas: Irena Parlov / Roksana Wardenga
Der Fürst: Martin Bárta / Pavol Kubáň
Paul, ein Verwandter des Fürsten: Jorge Garza / György Hanczár
Barbara, eine Botin: Hana Dobešová / Monika Jägerová / Anita Jirovská
Sofja Petrowna, eine Bürgerin Mordassows: Hana Dobešová / Monika Jägerová / Anita Jirovská
Der Archivar der Stadt Mordassow: Petr Urbánek / Roman Vlkovič

Chor des Mährisch-Schlesischen Nationaltheaters
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